Mut zum Studiumswechsel

Hallo ihr Lieben,

heute mal ein ganz anderes Thema, welches mich aber in letzter Zeit immens beschäftigt hat. Mein Studiumswechsel. „Ich bin 20 Jahre alt, Abiturientin und habe bereits ein Studium abgebrochen“ – das ich das mal sagen werde hätte ich ehrlich nie gedacht. Den Gedanken des Studieren fand ich schon immer toll und dachte auch eigentlich mein Studium gefunden zu haben, aber zu dem richtigen Studium gehört doch irgendwie noch mehr…

In dem folgenden Beitrag werde ich euch von meinen ersten Studenten-Erfahrungen berichten, euch erzählen warum ich mich dazu entschlossen habe das Studium zu wechseln und euch auch erklären, warum es in der heutigen Zeit überhaupt nicht schlimm ist das Studium zu wechseln.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen! 

Seit dem ich 17 Jahre alt war, war ich der festen Überzeugung später einmal Jura zu studieren. Durch meine Fernbeziehung habe ich mich schon relativ früh mit meiner Zukunftsplanung auseinander gesetzt, da ich ein Ziel brauchte um mich für die Schule zu motivieren. Anders hätte ich mein Abitur niemals geschafft. Ich musste wissen wofür ich mich in der Schule so anstrenge und durch einen Zeitungsartikel über das Jura-Studium wurde ich dann auf die Juristerei aufmerksam. Ich las in einigen Berufsberatungsbüchern und war sehr angetan von dem Studium. Es sei sehr zäh und trocken wurde mir erzählt und es würde ewig dauern bis man tatsächlich in seinem Beruf angekommen ist. Ich dachte all das wird mich nicht stören. Ich lernte mittlerweile sehr gerne – solange es nichts mit Mathe zu tun hatte – und besonders wenn es um spannende Mord- und Politikfälle geht würde mir das Lernen sicher leicht fallen. So mein Gedanke damals.

Ich bestand dann mein Abitur, wurde von der FAU Erlangen-Nürnberg angenommen, zog nach Nürnberg und war bereit in das Studentenleben einzutauchen. Ich hatte mich nicht groß auf das Studium vorbereitet, hatte mir noch keine Gesetzbücher oder Lehrbücher gekauft, da ich von der riesigen Auswahl komplett überfordert war und ich mir dachte, dass wir in den ersten Wochen schon gesagt bekommen welche Bücher wir uns kaufen sollten. Und so war es dann auch. Alles fing recht entspannt an, die Professoren stellten sich und ihre Fächer erst einmal vor und besprachen mit uns grundlegende Dinge. Ich war recht zuversichtlich, dass ich das alles hinbekäme.

Dann begannen die ersten Vorlesungen. Jede Vorlesung war anders. Jeder Professor war anders strukturiert – natürlich, alles ganz normal. Doch ich merkte schon ziemlich schnell, dass ich Probleme hatte mit dem Stoff aus Zivilrecht, da mich der Inhalt nicht sonderlich interessierte. In den anderen Fächern hatte ich keine Probleme Dinge auch mal nachzuarbeiten und mich selbst hinzusetzten. Doch Zivilrecht ließ mich teilweise wirklich an meine Grenzen gehen. Mir wurde im Laufe des Semesters auch bewusst, dass Zivilrecht kein Fach ist, das man mal gehört haben kann und dann nie wieder braucht. Nein, Zivilrecht macht mit den größten Teil des Staatsexamens aus und wird in jedem Semester auftauchen.

Es wurde dann eine Probeklausur geschrieben, die ich – wie zu erwarten – nicht bestand. Ich war deshalb nicht unbedingt enttäuscht, die Durchfallquote lag bei 44 % und es war nur eine Probeklausur, aber es fing langsam damit an, dass sich Zweifel in mir breit machten. Ich gab dem Ganzen noch eine Chance und lernte im zweiten Semester noch mehr als im ersten. Ganz nebenbei, die anderen Fächer machten mir Spaß und in denen kam ich auch gut mit, es war immer nur das Zivilrecht mit dem ich Probleme hatte. Im zweiten Semester wurde es dann alles etwas ernster. Es ging auf die ersten Zwischenprüfungen zu und ich wurde immer unsicherer ob ich das alles wirklich will. Will ich wirklich noch 7, 8 oder sogar 9 Semester studieren mit dem Risiko am Ende das Staatsexamen nicht zu schaffen und dann ohne alles dazustehen? Und wie würde es danach weiter gehen? Ganz ehrlich, den Traum einmal Staatsanwältin zu werden habe ich relativ schnell fallen gelassen, denn für diesen Beruf muss man zu den aller Besten gehören und ich war vielleicht nicht die Schlechteste, aber eben auch nicht die Beste. Ich hörte von einigen Leuten, dass die meisten Jurastudenten dann eh meistens in Zivilrechtskanzleien unterkommen, da die immer gesucht werden. Der Gedanke später einmal in einer solchen Kanzlei zu arbeiten, weil mein Staatsexamen nicht gut genug war hat mir wirklich Angst gemacht. Somit sank meine Motivation von Vorlesung zu Vorlesung, sodass ich teilweise schon gar nicht mehr hingegangen bin. Ich glaube innerlich hatte ich meinen Entschluss schon gefasst das Studium aufzugeben. Äußerlich wollte ich jedoch noch nicht gleich aufgeben und ich wusste auch nicht wie ich das meinen Eltern erklären sollte, dass ich nicht mehr Jura studieren möchte, dass das Studium von dem ich immer so geschwärmt habe doch nichts für mich ist. Ich kam mir ein bisschen wie eine Verliererin vor. Eine die alles anfängt und nichts beendet. Die nicht weiß was sie will und es vermutlich auch nie wissen wird.

Ich studierte dann also noch ein bisschen vor mich hin, ging zu den andern Vorlesungen, lernte aber nicht mehr in der Bib oder sprach über mein Studium. Still und heimlich schaute ich mich eher nach einem neuen Studium um.

Im Fußballtraining dann, machte mich eine Freundin auf das Studium Pädagogik bzw. Soziale Arbeit aufmerksam. Sie hatte Pädagogik studiert und macht nun eine Weiterbildung zur Kinder- und Jugendpsychologin. Alles was sie erzählte klang wahnsinnig spannend und ich dachte mir bei vielen ihrer Tätigkeiten, dass ich das auch könnte und dass mir das vor allem auch Spaß machen würde. Ich recherchierte dann ganz viel über soziale Studiengänge und traf immer wieder auf Soziale Arbeit. Bei der ein oder andern Mittagspause meiner Freundin unterhielten wir uns dann über die Studiengänge Psychologie, Pädagogik, Sonderpädagogik und eben Soziale Arbeit und es stellte sich dann relativ schnell heraus, dass Soziale Arbeit tatsächlich mein Favorit sein könnte.

Einige Wochen später, als der Bewerbungszeitraum dann begann, bewarb ich mich als Plan A für Soziale Arbeit und als Plan B für Pädagogik. Beide Studiengänge waren nämlich mit einem  NC belegt und von da an begann dann auch das Zittern.

Den ganzen Weg wie ich erst von der Hochschule, an der ich Soziale Arbeit studieren möchte, abgelehnt wurde und dann doch angenommen wurde erspare ich euch mal und kann euch nun voller Vorfreude verkünden, dass ich ab Oktober an der Hochschule studieren werden.

Ihr glaubt mir gar nicht wie glücklich ich mit dieser Entscheidung bin! Der Gedanke der Nichts-Könnerin den ich euch anfangs geschildert habe, ist völlig verflogen. Ich sehe mich eher als stärkere, willenskräftigere, mutigere und reifere Studentin, denn ich habe den Mut gefasst „Nein“ zu sagen und mir das Leben nicht schwerer zu machen. Natürlich kann man auch sagen, dass ich einfach hätte weiter kämpfen sollen und dann hätte ich das Studium schon gepackt. Aber warum? Ich sehe das Jura Studium als einen Fehltritt den ich gemacht habe, weil ich mich vorher nicht gut genug informiert habe. Daraus habe ich nun gelernt. Ich habe mich auf das jetzige Studium viel mehr vorbereitet, viel mehr darüber recherchiert, mir die Module und deren Inhalte durchgelesen und kann schon jetzt eine Struktur hinter dem gesamten Studium erkennen.

Während des Jura-Studiums habe ich mich in meiner Freizeit nie auch noch zusätzlich mit Uni-Themen auseinander gesetzt, habe nie juristische Zeitschriften oder Gerichtsurteile gelesen, weil es mich einfach nicht interessiert hat. Ich habe deshalb vermutlich auch nie die Inhalte der Vorlesungen so aufgesogen wie andere Kommilitonen. Bei meinem zukünftigen Studiengang ist das komplett anders. Ich bin gerne unter Menschen, möchte mich in naher Zukunft an sozialen Projekten beteiligen, mich für Menschen einsetzen und ihnen helfen und ich weiß, dass je besser ich mein Studium absolvieren werde, desto besser kann ich auch den Menschen helfen und von daher ist meine Motivation eine ganz andere und sie ist auch viel größer.

Was ich euch damit sagen möchte ist, dass ihr nur auf euch selbst hören solltet. Wenn ihr mit eurem Studium nicht zufrieden sein solltet oder ihr es euch anders vorgestellt habt, dann geht mal in euch rein und überlegt euch warum ihr euch für dieses Studium entschieden habt und fragt euch ehrlich ob ihr euch vorstellen könnt dieses Studium zu beenden und danach auch ein Leben lang in diesem Beruf zu arbeiten. Hört auf euer Bauchgefühl. Manchmal kann man nicht erklären weshalb man sich mit einem Studium nicht wohl fühlt. Das hat euer Umfeld dann einfach zu akzeptieren. Aber es ist euer Leben, eure Zeit und  ihr solltet entscheiden was für euch richtig ist. Alles andere wird euch nur unglücklich machen und ihr werdet irgendwann man als verbitterte Rentner enden, die es bereuen in ihrer Jugend nicht einen anderen Weg gegangen zu sein.

Natürlich ist ein Studiumswechsel kein Zuckerschlecken. Ein Studiumswechsel kann auch mit einem Umzug verbunden sein oder ihr werdet von eurer Wunschuni oder Hochschule nicht genommen, aber auch dann wird sich eine Lösung finden. Nehmt vor allem auch die Studienberatungen in Anspruch. Ich stand auch andauernd mit der Studienberatung in Kontakt und habe die armen Mitarbeiter mit hunderten von Fragen bombardiert, aber dafür sind sie ja schließlich auch da und sie sind meistens auch sehr nett und geben gute Tipps und verlässliche Auskünfte.

Ihr braucht euch außerdem auch keine Gedanken darüber zu machen, dass ein Studiumswechsel schlecht im Lebenslauf aussieht. Wenn ihr nicht gerade schon das 7. Studium anfangt, ist ein Studiumswechsel kein Ausscheidkriterium in einer Firma. Oftmals sieht das gar nicht mal so schlecht aus, denn ihr lernt ja trotzdem etwas in der Zeit in der ihr Studiert und wenn das gelernt nur etwas zum Allgemeinwissen beiträgt. Durch meine zwei Semester Jura habe ich auch einiges über Recht und Politik gelernt, ich könnte jetzt zwar noch keinen Schwerverbrecher aus dem Gefängnis holen, aber zumindest verstehe ich jetzt einige politische Verhältnisse besser und lese die Nachrichten mit ganz anderen Augen. Von daher waren die zwei Semester auch auf keinen Fall verschwendete Zeit. Außerdem ist es bei den vielen verschiedenen Studiengängen die es heutzutage gibt gar nicht verwunderlich, dass junge Leute auch mal das Studium wechseln.

Falls ihr also unglücklich mit eurem Studium seid, habt den Mut etwas neues zu wagen, es steckt vielleicht auch ein wenig Schicksal dahinter wo und wie es für euch weiter geht, aber seht das ganze positiv. Im schlimmsten Fall wird es eine Erfahrung aus der ihr lernt und die euch trotzdem weiterbringen wird. Auch wenn es in dem Moment nicht danach aussieht.

In diesem Sinne wünsche ich Euch alles Gute, viel Erfolg und Glück! Ihr werdet euren Weg schon gehen und wenn ihr mal das Bedürfnis habt über eure Probleme zu reden/ schreiben dann dürft ihr mir auch gerne eine E-Mail an bienanna@t-online.de schreiben und ich antworte euch dann.

Bis zum nächsten Mal,

eure Anna : )

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