Der Weg zur Leidenschaft

Hallo ihr Lieben,

in den letzten zwei Wochen sind ja schon die Travelguides für Sardinien und Korsika online gegangen. Heute kommt nochmal ein Reise-Blogpost, allerdings geht es in diesem Beitrag speziell um das Reisen mit Rennrädern. Ich möchte euch in diesem Blogpost erstmal von meinen ersten Rennradtouren erzählen (die ich noch vor dem Urlaub gemacht habe) und davon wie ich dann im Urlaub meine persönlichen Rekorde in Distanz und Höhe gebrochen habe. Ich bin definitiv keine Profisportlerin! Das will ich auch gar nicht sein. Wenn ihr bei einer Sache anderer Meinung seid schreibt mir das gerne, auch ich lerne immer wieder neu dazu. Mir geht es hierbei aber eher darum euch zu zeigen, dass man – wenn man etwas wirklich will – alles schaffen kann, auch wenn die Beine noch so kaputt und müde sind! Aber dazu gleich mehr. Jetzt erzähle ich euch erstmal wie alles begann…

Meinen Ausdauersport hatte sich bisher immer nur auf das Joggen beschränkt. Das macht mir zwar auch sehr viel Spaß, aber ich merkte, dass sich der Sport langsam auf meine Schienbeine auswirkte oder viel mehr auf meine Knochenhaut. Die hatte sich nämlich entzündet und schmerzte immer vor sich hin. Ich wollte mir daher einen neuen Sport suchen, der meine Ausdauer anders trainiert. Und dann schlug mir mein Freund vor, doch mal nach Koblenz zu dem Bike-Shop Canyon zu fahren und sich dort mal umzuschauen. Genau das taten wir dann, ließen uns vor Ort sehr gut beraten, vermessen und durften auch Probefahrten auf verschiedenen Bikes machen. Ich saß zu diesem Zeitpunkt das erste Mal auf einem Rennrad und das war wirklich total anders als ein Straßenfahrrad. Viel leichter, dünner und dynamischer. Es muss ziemlich lustig ausgesehen haben als ich das erste mal auf dem Bike saß, denn ich hatte die ganze Zeit Angst umzukippen. Es hat mir aber trotzdem super viel Spaß gemacht und ich hätte sofort weiter fahren können. Nach zwei Wochen Überlegung haben mein Freund und ich uns dann dazu entschlossen, uns zwei Fahrräder zu kaufen. Seins kam dann schon zwei Wochen später und er konnte gleich losfahren – mein Fahrrad hatte leider 1 1/2 Monate Lieferverspätung. Das war ziemlich doof, und ich musste letztendlich doch ein anderes Bike nehmen, da das das ich ursprünglich wollte erst im September angekommen wäre. Canyon hat nämlich auch nur einen Store in ganz Deutschland. Alle Räder werden sonst nur verschickt.

Als ich dann auch endlich mein Rad hatte war ich trotzdem super happy! Ich fuhr dann zum ersten Mal auch mit Klickpedalen – das funktioniert so, dass man die Schuhe mit ein bisschen Druck in die Pedale einklickt, sodass man nicht von der Pedale abrutscht und man durch die Bindung die Kraft optimal auf das Pedal übertragen kann. Am Anfang sollte man das Anfahren ein bisschen üben, denn es kann schon mal vorkommen, dass ein Rennradfahrer an der Ampel steht und bei auf- oder absteigen einfach umkippt, da er vergisst sich aus den Pedalen auszuklicken. Ist mir leider auch schon passiert. Nach ein paar Malen hat man das aber raus.

Meine ersten Radtouren gingen dann erstmal von Nürnberg aus Richtung Fränkische Schweiz. In der Region gibt es wahnsinnig viele Radrouten mit unterschiedlichen „Schwierigkeitsgraden“. Es gibt sowohl Strecken mit einigen Höhenmetern, aber auch Strecken auf denen man die Ausdauer in der Ebene trainieren kann. Ich finde einen Mix aus beiden immer ganz gut.

Im August machten mein Freund und ich dann an die Urlaubsplanung und relativ schnell stand fest: die Rennräder müssen mit. Korsika und Sardinien sollten traumhaft schöne Routen entlang der Küsten haben und die wollten wir uns nicht entgehen lassen. Transportiert haben wir die Bikes dann in Fahrradtaschen. Dafür musste man nur die Vorder- und Hinterräder abmontieren und eben in diese Taschen reinlegen. Das hat auch aller sehr gut geklappt. Falls ihr also auch ein Auto ohne Anhängerkupplung und ohne Dachgepäckträger habt, dann schaut euch mal diese Radtaschen an.

Für mich hieß es dann aber wirklich trainieren, trainieren, trainieren, denn die Berge auf Korsika würden kein Zuckerschlecken für mich werden. Ich fuhr immer wieder neue Strecken und genoss es auch mal aus der Stadt rauszukommen. Ich fuhr oftmals mit einem ehemaligen Arbeitskollegen von mir oder mit meinem Freund. Die beiden forderten mich teilweise ganz schön. Sie waren schon längst über den Berg hinweg und ich war gerade mal an der Hälfte. Oft habe ich mir dann selbst gesagt das ich nicht gut genug bin, dass ich nicht so fit bin wie die zwei oder dass ich nicht für diesen Sport gemacht bin weil ich das letzte Stück des Berges schieben musste. Doch später dann im Urlaub ist mir klar geworden, dass ich das hier für niemanden anderes mache sondern nur für mich. Ich muss niemandem etwas beweisen. Ich fahre diese Berge hoch, weil ich es als Herausforderung sehe, die ich gerne für mich bewältigen möchte. Wenn ich dabei aber an andere denke werde ich unkonzentriert und verliere Kraft. Ich bin viel stärker wenn ich mir dir ganze Zeit sage „du bist gut“, „du schaffst das“, „yes, ich habe es gleich geschafft“, „das macht Spaß“. Das klingt wirklich total albern (ich sage mir das auch immer nur in Gedanken), aber ich kann in dem Moment in dem ich einen dieser Sätze sage an nichts anderes denken außer daran, dass ich gut bin und dass ich das schaffe. Und ja, manchmal brennen die Beine wie Hölle! Aber auch da sage ich mir das ich das hier gerade mache weil ich das will. Ich habe die Entscheidung getroffen, bin auf das Rad gestiegen und bin losgefahren. Niemand zwingt mich dazu oder erwartet irgendeine Leistung von mir. Wenn es also wieder in den Beinen brennt weiß ich, dass ich es für mich tue und dadurch wird der Schmerz irgendwie aushaltbarer und ich entwickle manchmal Kräfte die ich nie im Leben für möglich gehalten hätte. Aber dazu später mehr.

Ihr seht, Sport kann so viel mehr als nur eine körperliche Aktivität sein. Man entwickelt irgendwie eine Leidenschaft, man hat etwas zu erzählen, man möchte seine Erfolge teilen, man selbst wird reifer und lernt dazu. Ich habe in diesem Urlaub wirklich unglaublich viel gelernt. Ich weiß jetzt das ich alles was ich tue nur für mich tue. Wenn ich auf etwas keine Lust hast oder ich mir etwas nicht zutraue, dann lass ich es. Es macht mich nicht glücklich und warum sollte ich es dann noch tun?

Nun aber mal zurück zu unserer Reise. Im Folgenden werde ich euch nun unsere Routen zeigen die wir so gefahren sind. Da ist eine „Anfänger-Route“ dabei, eine durch das Hinterland von Sardinien, eine ziemlich steile und eine Highlight Route die es aber auch ganz schön in sich hatte.

Dies ist die etwas leichtere Route die wir gleich zu Beginn des Urlaubs gefahren sind. Die war 45 km lang und ging bis zum Capo Caccia. 

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Meine erste Strecke über 100 km fuhren wir dann zum Capo Falcone. Diese Strecke war eine sehr schöne Strecke für die Grundlagenausdauer. Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass ich bei dieser Tour einige Momente hatte in denen ich das Rad am liebsten stehen gelassen hätte, denn zum ersten Mal 117 km Radfahren macht schon ziemlich kaputt.

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Richtig steil ging es auf folgender Strecke zu. 60 km quasi nur bergauf und bergab. Diese Fahrt hat mir richtig gut gefallen, da es nicht so zäh die ganze Zeit bergauf ging, sondern man immer mal wieder durch eine kleine Abfahrt Schwung bekommen hat und man auch mal ein bisschen Gas geben konnte ; )

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An unserem letzten Tag auf Korsika machten wir dann nochmal eine richtig große Radtour zum Cap-Corse. Diese Route zähle ich mit zu den Highlights des gesamten Urlaubs. Die Route entlang der Küste lässt wirklich jedes Rennradfahrer-Herz höher schlagen! Wir hatten durchgängig perfekten Asphalt, die Route erstreckte sich über 120 km und hatte 1700 Höhenmeter. Die ersten 110 km hatten ca. 1000 Höhenmeter und die letzten 10 km waren dann nochmal ganz schön ordentlich. Hier haben die Beine auch wieder gebrannt.

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Eigentlich wäre ich die letzten 10 km nicht mehr mitgefahren, sondern wäre schon wieder zurück in die Unterkunft gefahren, weil wir gedacht hätten dass ich das letzte Stück nicht mehr schaffe, aber ich wollte dann doch nicht heim. Ich hatte noch richtig Bock diesen Berg hochzufahren, auch wenn das ewig dauern würde. Und ich schaffte es. In einer knappen Stunde habe ich diesen Berg bewältigt bekommen. Und da bin ich wieder bei dem Thema Ehrgeiz, Leidenschaft und Selbstvertrauen. Lasst euch nicht von anderen aufhalten. Macht euer Ding. Wenn niemand mit euch zieht zieht alleine. Ihr werdet euren Weg finden. Letztendlich müsst ihr euch in eurem Leben wohlfühlen. Es wird immer Menschen geben die versuchen euch runterzuziehen oder euch schlecht zu machen, aber lasst das nicht mit euch machen. Lebt euer Leben und seid glücklich, denn es wird auch immer Menschen geben die für euch da sind in guten wie in schlechten Zeiten. Haltet euch an Leuten fest die euch gut tun. Lieber bin ich alleine als mit Menschen zusammen die mir nicht gut tun. Mit Freunden muss man sich nicht vergleichen. Nicht beim Sport und auch nicht beim Aussehen oder anderen materiellen Dingen. In einer Freundschaft gibt es keine Eifersucht oder Lästereien. Ich bin so wahnsinnig glücklich, dass ich in dem letzten Jahr so viele wundervolle Menschen kennengelernt habe, die mir das gezeigt haben. Ich liebe meine Freunde, ich liebe meinen Freund, ich liebe natürlich meine Familie und ich liebe vor allem mein Leben.

Das war es nun von mir, ich hoffe euch hat dieser Beitrag gefallen. Ich habe bewusst auch noch ein paar Gedanken von mir aufgeschrieben, da mir das selbst manchmal unglaublich hilft. Ich lese mir dann nochmal alte Beiträge durch und versuche in schwachen Momenten aus diesen Beiträgen wieder Kraft zu schöpfen. Auch wenn mir jegliche Motivation für irgendetwas fehlt lese ich alte Blogs, denn dann erinnere ich mich an eine schöne Zeit oder an einen schönen Gedanken zurück und möchte dort wieder hin und dafür muss ich logischerweise etwas tun ; )

Falls ihr noch ein paar Gedanken zu diesem Thema habt oder noch Frage, dann stellt mir diese gerne in den Kommentaren oder schreibt mir eine Mail.

Bis zum nächsten Mal,

eure Anna : )

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